Zielgenau: EMS-Training kann Rückenbeschwerden reduzieren

October 23, 2019

 

Ein Grund für Rückenschmerzen ist eine Dysfunktion der tiefen sowie der kleinen, kurzen Muskeln der Wirbelsäule. Durch ein EMS-Training werden, anders als bei herkömmlicher Kräftigungsgymnastik, möglicherweise auch diese Muskeln stimuliert. Ob dies erheblich zur Reduzierung von Rückenbeschwerden beiträgt, wurde vor einiger Zeit wissenschaftlich untersucht.
 

Volkskrankheit


Etwa 30 Prozent der Erwachsenen leiden ständig unter Rückenbeschwerden, nur 20 Prozent bleiben lebenslang völlig davon verschont. Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für berufliche Ausfallzeiten und vorzeitig gestellte Rentenanträge. Das Problem Rückenbeschwerden geht also fast jeden von uns an! Gerade dieser Umstand macht die nachfolgend vorgestellte Untersuchung so interessant.

Wissenswertes zur Studie


Ziel der Studie war, die Effekte eines EMS-Trainings auf Rückenbeschwerden zu ermitteln. Probanden waren 49 weibliche und männliche Bedienstete der Universität Bayreuth mit Rückenbeschwerden im Durchschnittsalter von 47 Jahren. Der Trainingszeitraum umfasste sechs Wochen, insgesamt wurden zehn Trainingseinheiten von je 45 Minuten Dauer mit je einem anschließenden EMS-Entspannungstraining von fünf Minuten Dauer absolviert – trainiert wurde zweimal pro Woche.

Das Training wurde mit dem klassischen – inzwischen etwas veralteten – Bodytransformer durchgeführt. Mittlerweile gibt es z. B. eine Weiterentwicklung der Firma Loncego. Ähnliche Geräte bietet PHYSO m an – am weitesten verbreitet sind aktuell wohl die Systeme von miha bodytech. Allen Geräten gemein ist, das sie ein zeitsparendes und effektives Ganzkörpertraining ermöglichen sollen. Trainiert wird nahezu die gesamte Muskulatur des Körpers auf einmal, wobei jeweils Agonist und Antagonist gleichzeitig einbezogen werden. Durch das Training werden auch tieferliegende Stabilisationsmuskeln stimuliert, dadurch wird unter anderem eine Verbesserung der Körperstabilität angestrebt. Je nach Wahl der Stimulationsparameter (Impulsdauer, Pause, Frequenz, Anstiegszeit, Impulsbreite) lassen sich häufig physiologische Effekte im Sinne von Körperformung und Kraftzuwachs, aber auch psychologische Wirkungen wie eine gehobene Stimmung bei gleichzeitiger Verringerung von Ärger sowie eine Verbesserung des Wohlbefindens und der Körperwahrnehmung registrieren. Die Elektroden werden über ein Gurtsystem auf angefeuchteter Kleidung (besserer Stromfluss) angebracht, wodurch hygienische Probleme vermieden werden. Das Training erfolgt im Stand, wobei aktive Muskelkontraktionsposen die Intensität zusätzlich erhöhen. Die Wahl der Trainingsintensität war den Teilnehmern weitgehend selbst überlassen. Die 49 Probanden unterschieden sich hinsichtlich der Ursachen, der Art und der Lokalisierung der Rückenbeschwerden sowie der Beschwerdehäufigkeit und -intensität deutlich. Einzuräumen ist, dass die Heterogenität der Untersuchungsgruppe sowie das Fehlen einer Kontrollgruppe die Aussagekraft der Ergebnisse mindern.

Ergebniskontrolle


Die Ergebniskontrolle erfolgte anhand von Eingangs- und Abschluss-Fragebögen zur Ermittlung der subjektiv empfundenen Effekte an drei Regionen des Rückens, der Schulter, der Hüfte und des Knies. Erfasst wurden:

1. Die Reduzierung der subjektiv wahrgenommenen Beschwerdehäufigkeit und -intensität
2. Die Verringerung der Hauptbeschwerden
3. Die Veränderung der allgemeinen konditionellen Fähigkeiten
4. Die Auswirkungen auf die Stimmung, Vitalität, Körperstabilität und Körperformung

Der Verlauf der Beschwerdeveränderung und -intensität sowie der allgemeine Beschwerdeverlauf wurde mit Hilfe von Schmerzerfassungsbögen ermittelt. Zudem wurden anthropometrischer Kenngrößen gemessen. Namentlich die Veränderung des Körpergewichts, des Body-Mass-Index und des Körperfettanteils.

Ergebnisse


Eine Reduzierung der Rückenschmerzen stellten 89 Prozent der Probanden fest, wobei bei 39 Prozent eine starke Minderung der Beschwerden eintrat. Bei 42 Prozent ergab sich eine leichte Verbesserung des Beschwerdestatus. Auch die Häufigkeit und die Intensität der Beschwerden verringerten sich deutlich während des Trainingszeitraums.

In Bezug auf die Veränderung der Beschwerdebilder gaben 88 Prozent der Probanden eine subjektiv festgestellte Beschwerdereduzierung an. Acht Prozent stellten keine Veränderung fest und vier Prozent bemerkten negative Auswirkungen durch das Training. Insgesamt konnten keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt werden. Es bestanden jedoch Unterschiede in der Wirksamkeit des Ganzkörpertrainings in Abhängigkeit von der Beschwerderegion (drei Regionen des Rückens, Schulter, Hüfte und Knie).

Die besten Ergebnisse konnten bei den Probanden mit Beschwerden im Lendenwirbelsäulenbereich erzielt werden. Zudem verringerten sich die Häufigkeit und die Intensität der Beschwerden während des Trainingszeitraums deutlich. Das EMS-Training führte darüber hinaus zu folgenden allgemeinen Effekten:

61 Prozent der Personen gaben eine Verbesserung ihres allgemeinen Beschwerdezustandes an, bei 76 Prozent verbesserte sich die Stimmung, 69 Prozent registrierten eine gestiegene Vitalität, 57 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen empfanden eine verbesserte Körperstabilität, 50 Prozent der Probanden stellten positive Körperformungseffekte fest und 76 Prozent fühlten sich nach dem Training entspannter.

Das spezielle EMS-Training bewirkte als eine sehr starke Reduzierung der Rückenschmerzen (89 Prozent), wobei sich sowohl die Beschwerdehäufigkeit als auch die Beschwerdeintensität deutlich verringerten. Die subjektiv empfundenen positiven Veränderungen des allgemeinen Beschwerdezustandes, der Stimmung, der Entspannung, der Vitalität, der Körperstabilität und der Körperformung unterstreichen die komplexe Wirkung dieser Trainingsform.

45 Minuten waren wohl zu viel des Guten


Die gewählte Trainingsdauer von 45 Minuten erwies sich als zu lang. Bei weiteren Studien mit dem EMS-Trainer wurden wesentlich kürzere Trainingszeiten von insgesamt 20 bis 25 Minuten absolviert, ohne Verluste der positiven Effekte festzustellen. Es wird vermutet, dass eine Trainingsdauer von 15 bis 20 Minuten bei mittlerer bis starker Trainingsintensität ausreichen dürfte, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Fazit: EMS wirkt!


Das getestete EMS-Training bekämpft die Volkskrankheit Rückenbeschwerden in sehr effektiver Weise. Der Strom erfasst möglicherweise auch die tiefen Muskeln, die durch konventionelle Behandlungsmethoden nur schwer erreicht werden können. Das spezielle EMS-Training stellt ein zeitsparendes, sehr wirksames Allround-Training dar, das weitreichende positive gesundheitliche Effekte erzielt. Dabei werden sowohl therapeutische als auch präventive Ziele erreicht.

 

 

 

 

 

 

 

 



Quelle: shape UP bodytech 5/19
Abbildung: Volodymyr Tverdokhlib / shutterstock.com

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